Enik verkauft Moonboots an Mädchen aus Griechenland

Mit etwas Verspätung erscheint am 20.05.2011 das Album „I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece“ von ENIK, der schrille Münchner hat für seine Mitarbeit zum Fantastischen Vier Album „Für Dich immer noch Fanta Sie“ Platin erhalten. „Kunst lebt von Kontrasten“, sagt der 30-Jährige, der Musik macht, seit er denken kann. So lässt er ganz in diesem Sinne in seinen Videos alte, dicke Männer abrocken oder platziert auch mal gerne eine Drag-Queen im Wald. „How To Trash Expensive Cars“ heißt dann auch der explosive Opener seiner neuen Platte. Ein Titel voller Gegensätze, mit einem Sound voller Gegensätze. Da tanzen Synthies und Stimmverzerrer Pogo mit dem jaulenden E-Gitarren-Riff, darüber wirft sich Eniks extrovertierter Gesang, den er selbst humorvoll als „Ausdruckstanz“ beschreibt.

Der schrille Indie-Pop des Münchners macht Alarm. Hierzulande und überall. Er ist ein Ausrufezeichen in der Musiklandschaft. Der wunderbar bizarre Titel „I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece“ markiert Eniks zweites Soloalbum, das physisch herausgebracht wird. Davor entstanden zwei EPs („Without A Bark“, „Antenna“) sowie Kooperationen mit dem Elektroduo Funkstörung, mit dem er erfolgreich durch fünfzehn Länder tourte und dadurch viele neue Fans auf der ganzen Welt gewinnen konnte.

Mit seinem neuen Album, das „mehr nach draußen will“, wie Enik sagt, hat er Klarheit gesucht und einfache Schönheit gefunden. „Ich habe mich lange genug mit komplexen Dingen beschäftigt, egal ob akustisch oder elektronisch“, erzählt er. Und tatsächlich kamen seine früheren Songs vertrackter, sperriger, elektronischer daher. Nun widmete er sich den großen Songwritern, also den Dylans, Reeds, Caves und Cohens dieser Welt statt wie früher Aphex Twin oder Frank Zappa. Ein Umbruch für den Komponisten und Multiinstrumentalisten.

Ein Umbruch, der deutlich zu hören ist. So ist die Platte, die Enik selbst produziert und in seinem Studio fast im Alleingang eingespielt hat, durchzogen von starken, mitunter reduzierten Songs im Stile eines eindringlichen Songwriters. Intensive Balladen wie „People Are Bad“, „Wasting Beauty”, „Shake Off Your Past” oder „Get Me Laid In San Francisco” bringen die vielleicht größte Stärke des 30-Jährigen auf den Punkt: ehrliche Gefühle und unendliche Liebe zur Musik. Daneben gibt es jene Songs, die vor massiver Energie strotzen wie „The Monkey Wheel“, „Anti Anti Anti“ oder „The Place My Songs Came From“. Schrill, schräg, schön – das gilt auch für Eniks „neurotische Version“ von The Cures „Close To Me“, die die eigenen Stücke ergänzt. Inhaltlich geht es ihm um die Befreiung von vermeintlichen Realitäten. Das ist sein zentrales Thema. Aufbruch, Ausbruch, Authentizität!

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